Beschwerden im Intimbereich offen ansprechen
Trockenheit, Jucken, Brennen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder ungewollter Harnverlust können den Alltag und die Sexualität belasten. Sie müssen damit nicht allein bleiben. Am Anfang stehen eine genaue Diagnose und das Gespräch darüber, welche Behandlung für Ihre Situation sinnvoll ist.
Was leistet eine gynäkologische Lasertherapie?
Laserverfahren werden unter anderem bei vaginaler Trockenheit und bestimmten Blasenbeschwerden untersucht und angeboten. Die wissenschaftliche Evidenz unterscheidet sich je nach Erkrankung, Gerät und Verfahren. Eine Wirkung, Schmerzfreiheit oder dauerhafte Beschwerdefreiheit kann nicht zugesichert werden.
Für menopausale Beschwerden im Genital- und Harnwegsbereich empfiehlt die britische Leitlinienorganisation NICE vaginale Laserbehandlungen nur im Rahmen randomisierter kontrollierter Studien. Auch bei Belastungsinkontinenz bezeichnet NICE die Langzeitdaten als unzureichend und empfiehlt den Einsatz im Forschungskontext. Diese Einordnung ist vor einer Entscheidung ebenso wichtig wie die persönliche Untersuchung.
Wie wird eine Behandlung durchgeführt?
Bei einem vaginalen Verfahren wird eine dafür vorgesehene Lasersonde in die Scheide eingeführt. Das Gerät gibt in einem festgelegten Muster Energie an die Schleimhaut ab. Das angestrebte Behandlungsprinzip ist eine Gewebereaktion mit Umbauprozessen, unter anderem am Kollagen. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch eine nachgewiesene Verbesserung für jede Beschwerde ableiten.
In der Praxisinformation wird eine ambulante Durchführung beschrieben, bei der häufig keine Narkose vorgesehen ist. Ob eine Betäubung oder Schmerzbehandlung benötigt wird, hängt vom Verfahren und der persönlichen Situation ab. Auch ohne Operation können Schmerzen, Reizungen, Verbrennungen, Narben oder andere unerwünschte Wirkungen auftreten. Die Behandlung wird bei Beschwerden entsprechend angepasst oder beendet.
Sitzungszahl, Dauer und Wiederholungen
Der bisher beschriebene Praxisablauf nennt vier bis fünf Sitzungen im Abstand von etwa drei bis vier Wochen mit ungefähr 25 Minuten pro Termin sowie mögliche spätere Auffrischungen. Diese Angaben sind kein für jede Erkrankung gesichertes Standardschema und keine Zusage eines Behandlungserfolgs. Der tatsächliche Umfang, die Nachsorge und die Frage, ob Wiederholungen überhaupt sinnvoll sind, müssen für das konkrete Verfahren begründet und vorab besprochen werden.
Welche Beschwerden werden angesprochen?
Trockenheit, Brennen und Schmerzen
Nach einer Geburt oder während der Wechseljahre können sich Schleimhaut, Elastizität und Empfinden verändern. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, vermeintlich wiederkehrende Pilzinfektionen und Juckreiz haben aber unterschiedliche Ursachen. Infektionen, Hauterkrankungen und andere behandlungsbedürftige Veränderungen müssen zuerst abgeklärt werden. Etablierte Alternativen können je nach Befund beispielsweise pflegende oder hormonelle lokale Behandlungen sein.
Belastungs- und Dranginkontinenz
Bei Belastungsinkontinenz geht Urin etwa beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben ab. Bei Dranginkontinenz kommt es zu starkem, schwer unterdrückbarem Harndrang. Mischformen sind möglich. Behandlungsmöglichkeiten reichen je nach Diagnose von Beckenbodentraining und Blasentraining über Medikamente und Hilfsmittel bis zu operativen Verfahren.
Die Praxisinformation beschreibt außerdem einen intraurethralen Laseransatz mit einer dünnen Sonde in der Harnröhre. Dieser ist von einer vaginalen Behandlung zu unterscheiden. Aktuelle Verfügbarkeit, Zulässigkeit, Evidenz, Risiken und Alternativen müssen dafür gesondert geklärt werden; insbesondere lässt sich daraus keine allgemeine Empfehlung für Dranginkontinenz ableiten.
Senkungsbeschwerden und die Zeit nach einer Geburt
Ein geschwächter Beckenboden kann mit Druckgefühl, Harnverlust oder einer Senkung einhergehen. Schwangerschaft, Geburt, Bindegewebe und Belastungen können eine Rolle spielen. Eine Gebärmutter- oder Scheidensenkung erfordert eine eigene Untersuchung. Training, Pessare und gegebenenfalls Operationen werden nach Befund besprochen; eine Laserbehandlung ist keine pauschale Alternative zu diesen Verfahren.
Lichen sclerosus
Bei Lichen sclerosus sind eine gesicherte Diagnose, eine etablierte Behandlung und Kontrollen wichtig. Eine Laserbehandlung ersetzt die Standardtherapie nicht. Weitere Informationen finden Sie im Ratgeber zu Lichen sclerosus.
Magnetfeldtherapie und Beckenbodentraining
Auch gerätegestützte Magnetfeldverfahren zur Muskelstimulation wurden in der Ordination vorgestellt, unter anderem bei Harnverlust, zur Beckenbodenrehabilitation nach einer Geburt und bei Beschwerden nach Prostatabehandlungen. Die jeweiligen Einsatzgebiete, Gegenanzeigen und die Evidenz müssen individuell geprüft werden. Aussagen über einen allgemeinen Ganzkörpermuskelaufbau oder eine sichere Heilung lassen sich daraus nicht ableiten.
Video zur vorgestellten Magnetfeldtherapie auf YouTube ansehen – der externe Anbieter wird erst durch Ihren Klick geöffnet. Der Beitrag dient der Veranschaulichung und ersetzt keine individuelle Beratung.
Fragen vor einer Entscheidung
- Welche Diagnose erklärt meine Beschwerden?
- Welche etablierten Alternativen kommen infrage?
- Welche Daten gibt es genau für das vorgeschlagene Gerät und meine Erkrankung?
- Welche Nebenwirkungen, Kosten und Nachsorgetermine sind zu erwarten?
- Wie wird beurteilt, ob die Behandlung geholfen hat, und wann sollte sie beendet werden?
Sie können Bedenkzeit nutzen oder sich gegen eine Behandlung entscheiden. Weitere Beiträge finden Sie bei Blasenschwäche und in unserem Videoarchiv.
Weiterführende Informationen: NICE: Menopause, Abschnitt 1.5.20 · NICE: Laser bei Belastungsinkontinenz.

